{German} Je ne parle pas français.

Das ist die traurige Wahrheit. Nach sieben Jahren Französisch in der Schule, davon zwei Jahre sogar Leistungskurs, kann ich immer noch kein Französisch sprechen. Oder viel mehr “nicht mehr”? Ich habe das Gefühl, in der Mittelstufe noch konnte ich mehr Französisch als jetzt.

Mittlerweile ist mir bewusst, dass damit wahrscheinlich viel mit Einschüchterung zu tun gehabt hat. Ich erinnere mich noch an eine Französischstunde, wo wir Telefonnummern “geübt” haben (sprich, jemandem unsere Telefonnummern mitzuteilen, etc), und ich auf einmal aufgerufen wurde. SCHOCK. Und prompt meine Telefonnummer vergessen habe. Ja, richtig. Ich habe nicht die französischen Zahlen vergessen, oder wusste einfach nicht, wie sie richtig aufgeteilt und aufgesprochen wurden, ich habe meine eigene Telefonnummer vergessen. Ich, der man eine Telefonnummer nicht mal zweimal sagen musste, bis ich sie im Kopf hatte. Das war zumindest so im Zeitalter der Telefonbücher. ;D

Das war jetzt einfach mal eine peinliche Aktion an sich, aber es zeigt wieviel Einschüchterung bei mir brachte. Ich fühlte mich in meiner Klasse unwohl (zurecht; Mobbing etc., wobei das in der 10. nicht mehr so war. Die Erinnerungen blieben). Ich wollte nicht drangenommen werden. Meine mündliche Mitarbeit war in jedem Fach so mies. Und was passiert, wenn man eine Sprache nicht spricht?

Irgendwann kommt man nicht mehr mit.

Ich erinnere mich noch, als ich vor der Wahl stand, Französisch oder Geschichte als Leistungskurs zu wählen. Mein Fehler? Ich habe nicht auf mein Gefühl gehört, sondern auf den Rat anderer Leute. “Für Geschichte bist du zu faul, die vielen Daten merkst du dir nie! Und du hast doch so ein Sprachentalent!” – mein Vater. “Wenn du Französisch nimmst, kann ich dir immer helfen” (was dann an nicht genug Initiative meinerseits nie passiert ist) – meine Schwester.
Also habe ich Französisch als Leistungskurs genommen, dafür ein Jahr im Grundkurs Geschichte meine Lieblingslehrerin gehabt (erkämpfterweise; und nach einem Jahr auch wieder verloren).

Und bin von einer zwei (in der 11, allerdings auch bei einem ziemlich großzügigen Lehrer) auf eine vier abgesackt. Bei der Note ist es dann auch größtenteils geblieben, meine Klausuren waren mehr rot als blau (Grammatik hatte ich noch nie gekonnt), mündlich immer 5. Immerhin hab ich den Kurs im Abi bestanden. Gerade noch so.

Es ist so anders auf Englisch. Alle wissen, wie sehr ich die englische Sprache vergöttere. Und wie leicht sie mir fällt. Ich denke auf Englisch, ich träume auf Englisch. Wenn ich anfange, auf Englisch zu reden, lege ich einen Schalter um, und bin Englisch. Bis es ab und zu ruckelt wenn die ein oder andere Vokabel nicht gibt. Aber das passiert sogar andersrum, wenn ich auf Deutsch rede, und mir auf einmal nur das englische Wort einfällt!

Und bei Französisch? Ich war permanent am Übersetzen. Ich habe nicht französisch gelesen, ich habe französische Texte übersetzt. Ich habe nicht französisch geschrieben, ich habe meine Gedanken von deutsch auf französisch übersetzt.

Ich habe nie einen richtigen Draht zu Französisch gefunden. Und das würde ich so gerne nachholen. Ich will gar nicht so fließend auf Französisch reden können, wie es auf Englisch geht. Ich möchte endlich die Grammatik verstehen (wobei, ob das bei Französisch überhaupt geht, hehe), ich möchte mich auf Französisch unterhalten können. Langsam, meinetwegen. Mit Händen und Füßen, meinetwegen. Ich möchte keine Angst mehr vor diesem Berg einer Sprache haben.

Vielleicht kriege ich das ja irgendwann hin. ;D

in Life.
  • Das ist aber auch so … ich kenne so viele Leute, die dieses Problem mit dem Französischen haben … Ich hab’s nach der 10 abgewählt, weil ich einfach nicht wirklich klargekommen bin … Grammatik war angeblich ok, aber sobald ich Sätze geschrieben habe, war alles seltsam.
    Ich hab mir dann eben Italienisch “ausgesucht” und mit vorgenommen, alles besser zu machen – direkt Vokabeln mitzulernen etc. Das war nämlich wohl mein Französischproblem: ich dachte, das würd ich genau so locker schaukeln wie Englisch.
    Mittlerweile hab ich ja schon 7 Jahre kein Französisch mehr, aber ich kann Texte einigermaßen verstehen und das freut mich dann doch … 🙂

  • Ummm…ich kenne so viele, die mir ähnliche Dinge gesagt haben. Zwar kann ich als Französin es nur gering einschätzen, wie schwierig unsere Grammatik vorkommen kann…aber ich habe jetzt nach zwei Jahren in Deutschland ein bisschen Erfahrung was für Euch ein Problem ist. Der anscheinende Mangel an Logik/Organisation. Diese häufige Ausnahme von Pluralformen und die Beherrschung der Verben. Also klar, ich kann verstehen, warum Du Dich so fühlst. Und es freut mich immer noch zu hören, dass Leute wie Du doch gerne sprechen würden 🙂 Da bin ich jedes Mal überrascht.

    Mein Rat: guck Dir Filmen an, in der Originalsprache, mit deutschen Untertiteln. Es ist momentan ehe egal, ob Du es Fr. lesen oder schreiben kannst. Du sollst Dich erstmal ein paar Sätze merken und Dich wiederanwöhnen. Es kommt von sich allein, wenn man es will…hier und da sich einen Satz merken und rumsuchen, wie er gebaut ist. Mal versuchen, dieses Muster mit neuen Wörtern ab und zu mal zu benutzen, dann mit einem kombinieren…auch wenn es nur Kopfkino sein soll.

    A propos: ich habe auch vor, ein paar Beiträge um das Thema Sprache zu schreiben. Ich versuch’s, interessanten Themen für deutsche Leser zu finden, das ist definitiv darunter gezahlt. Und ich nehme alle Ratschläge und Vorschläge 😉

  • Mogy

    Und das lese ich am Tag meiner letzten Französisch-Klausur 🙂

    Ich hab nicht so extreme Probleme (zumindest übersetze ich nicht von Deutsch nach Französisch, wenn ich schreibe oder spreche, Grammatik ist auch grauenhaft), aber ich habe das Gefühl, es bleibt nicht haften. Ich hab jetzt seit nichtmal einem Jahr kein Spanisch mehr und hab das Gefühl, ich könnte besser Französisch als Spanisch, einfach, weil ich da noch die Praxis habe.

    Kurse nehmen kann aber auf jeden Fall nie verkehrt sein 🙂